Autor: Harald Schrapers

Dice Forge und Decrypto: Verkomplizierende Anleitungen

Spielanleitung und Spielregel – ist das nicht das gleiche? Nein. Den Beweis tritt Dice Forge an.

Dieses Spiel gehört zu den Highlights des Jahrgangs 2018. Wenn man es schafft, das Spiel zu beginnen. Denn in der ersten Auflage türmt sich die Spielanleitung als Hürde vor einem auf. Erst wenn man diese überwunden hat, kann man den Reiz des „Würfelschmiedens“ erleben, das hier zelebriert wird. Meine beiden Würfel sind am Anfang noch ziemlich mau ausgestattet, ich kann nur selten mehr als eine Ressource gewinnen. Deswegen kaufe ich mir kleine Plättchen, die mehr bedeuten: beispielsweise vier Gold oder zwei blaue Mond- oder gelbe Sonnensplitter. Ich hebele dann eine Würfelseite ab und drücke das neu erworbene Plättchen an den Würfel. Damit kann ich mein Glück positiv beeinflussen. mehr »

Die Quacksalber von Quedlinburg überstrahlen alles

Wolfgang Warsch deklassiert die Konkurrenz. Bislang hatte er gerade mal zwei Spiele veröffentlicht – Schattenmeister und Dream Team –, die längst in Vergessenheit geraten sind. Und jetzt legt der Österreicher Warsch auf einen Schlag vier Spiele vor: das durchschnittliche Illusion, die beeindruckend guten Titel The Mind und Ganz schön Clever plus das überragende Die Quacksalber von Quedlinburg. Näheres zu den Quacksalbern ist jetzt in meiner Rezension auf gamesweplay.de nachzulesen.

Außerdem ist es lohnenswert, einen Blick auf die anderen Besprechungen zu werfen: Das überzeugende Kommunikationsspiel When I Dream, die guten Neuerscheinungen Dragon Castle, Startups und Woodlands sowie die mit Einschränkungen ebenfalls empfehlenswerten Spiele Café Fatal und Texas Showdown.

» games we play

Spiel doch! in Duisburg: Trends bei Brettspielen

„Wie spielt man heute und morgen? Trends und Entwicklungen bei Brettspielen“ lautet das Thema einer von mir moderierten Diskussion, die am Freitag, 23. März, um 11 Uhr im Landschaftspark Duisburg-Nord stattfindet. Die Fragestellung ist spannend, denn nicht-elektronische Spiele kennen keine Entwicklungssprünge, sie entwickeln sich weitestgehend unabhängig von technischen Innovationen. Kann die Kreativität derer, die neue Spiele erfinden, und die weltweit zunehmende Nachfrage nach dem Gemeinschaftserlebnis, das ein analoges Spiel bietet, für einen stabilen Trend sorgen? mehr »

Azul, Biosphere, Majesty, Pioneers: vier überzeugende Spiele

Neuer Startspielerstein, neuer Verlag – so präsentiert sich die zweite Auflage von Azul. Wobei der neue Verlag eigentlich gar keiner ist. Denn Next Move, dessen Logo wir jetzt auf der Schachtel sehen, ist lediglich eine Marke, ein Label. Und diese neue Marke gehört dem kanadischen Verlag PlanB, dessen Logo auf der Erstauflage zu finden war. Mit Next Move möchte PlanB eine Reihe mit abstrakten Spiele etablieren, zumindest bei Azul unter aktiver redaktioneller Zuarbeit von Eggertspiele. Dieser Hamburger Verlag wurde im letzten Jahr von PlanB übernommen und ist nun ein Studio der Kandadier. Und Pegasus Spiele ist für den Vertrieb in Deutschland zuständig. Ja, das ist sehr unübersichtlich. Und eine wirkliche überzeugende Erklärung für das Auswechseln des Verlagslogos habe ich nicht vernommen. mehr »

Könnte eng werden auf dem Schachteldeckel

Brettspiele sind Autorenspiele. Deswegen gehört der Autor (Autorinnen gibt es leider nur sehr wenige) untrennbar zu seinem Spiel. Egal wie viel nach der redaktionellen Bearbeitung von seiner Ursprungsidee noch übrig ist.

Die Autorennamen müssen auf dem Schachteldeckel eines Spiels zu finden sein und sollten auch im Onlinehandel prominent genannt werden. Die Spiele-Autoren-Zunft (SAZ) macht darauf in einer Kampagne aufmerksam. Dabei hat sie die Illustratoren der Spiele mit ins Boot geholt, worüber ich in der neuen Ausgabe der spielbox schreibe, die in diesen Tagen erscheint.

» spielbox 1/2018: Editorial – Könnte eng werden auf dem Schachteldeckel

» SAZ: Nennung der Urheber im Onlinehandel

Altersverwirrung bei Ethnos und Majesty

Ethnos und Majesty sind zwei Spiele, die sich in einer Hinsicht ganz erheblich unterscheiden. Laut Schachtel ist Ethnos ab 14 Jahre, Majesty ist hingegen schon für Siebenjährige geeignet. Doch wer die beiden Titel einmal gespielt hat, stellt fest: so groß ist der Unterschied gar nicht. Genaugenommen ist er sehr gering. mehr »

1918–2018: Les Poilus und die Grauen des Ersten Weltkriegs

1918, vor 100 Jahren, endete der Erste Weltkrieg. Das kooperative Les Poilus lässt einen die Schrecken des Stellungskrieges an der Westfront nachempfinden (eine ausführliche Besprechung habe ich für die spielbox 6/17 geschrieben). Jetzt haben die Spaghetti Western Games gemeinsam mit CMON eine deutschsprachige Neuauflage dieses genialen Titels herausgegeben, die von Asmodee vertrieben wird. Dieser Ausgabe liegt eine neu übersetzte Spielanleitung bei, und auch die Kartentexte wurden überarbeitet. mehr »

25 Jahre · Modern Art

1982 war die Zahl der Herbstneuheiten, die auf den Spieltagen in der Essener Messe präsentiert wurden, noch überschaubar. So konnten wir über die Feiertage ganz in Ruhe auch andere Titel rauf und runter spielen. Das amtierende Spiel des Jahres, Um Reifenbreite, beispielsweise, oder das geniale Kreml. Die einzige Essen-Neuheit, an die ich mich heute noch erinnere, ist das bei Hans im Glück erschienene Modern Art. mehr »

Codenames spielen und die Freude der Liebe empfinden

spielboxDie Freude der Liebe – Amoris laetita – ist ein Schreiben von Papst Franziskus zu Ehe und Familie. „Ungefähr zeitgleich zu Amoris laetita diskutiert die deutschsprachige Spieleszene, was ihrerseits unter Familie zu verstehen sei“, notiert der theologischen Blog feinschwarz und zitiert in seiner Codenames-Empfehlung einen Beitrag, den ich im letzten Jahr für die spielbox geschrieben habe. mehr »

Tischfußball oder Bonk: Sind das Gesellschaftsspiele?

„Es gibt auch quälend lange Spiele, wenn man die drei Tricks des Gegners auswendig kennt, aber selbst dann hat das Kickern oft diese leicht berauschende Wirkung.“ Das war jüngst in der Süddeutschen Zeitung zu lesen. Es ging um den Kicker in Start-up-Unternehmen. Und was hat dieses hier Thema hier in diesem Blog zu suchen, in dem es um Brettspiele, Gesellschaftsspiele oder Tischspiele geht? Gar nicht, meinen die einen, dann könnte man ja genauso gut die Fußball-Bundesliga (oder wenigstens den Amateurfußball) als eine Art Gesellschaftsspiel begreifen. Auf alle Fälle, meinen die Anderen, wieso soll man sich mit Definitionen seinen Horizont eingrenzen? Hauptsache, Kickern macht Spaß. Aber eigentlich geht es mir gar nicht um den Tischfußball. Sondern um die Spieleneuheit Bonk. Das ist nämlich so etwas Ähnliches, nur kompakter. mehr »