Schlagwort: Spielevorstellung

Altersverwirrung bei Ethnos und Majesty

Ethnos und Majesty sind zwei Spiele, die sich in einer Hinsicht ganz erheblich unterscheiden. Laut Schachtel ist Ethnos ab 14 Jahre, Majesty ist hingegen schon für Siebenjährige geeignet. Doch wer die beiden Titel einmal gespielt hat, stellt fest: so groß ist der Unterschied gar nicht. Genaugenommen ist er sehr gering.

Bei Majesty geht es darum, seine sieben Gebäude mit den jeweils richtigen Personen aufzuwerten – und mit Hilfe der Kasernen die Gegner ins Lazarett zu schicken. Das ist zwar nicht besonders friedlich, aber abwechslungsreich.

Dass die Altersangabe „ab 7“ völlig danebenliegt, zeigt sich spätestens in der Schlusswertung. Dann darf man nämlich die mit mindestens einer Person besetzten Gebäude quadrieren. Viele Siebenjährige sind noch in der ersten Klasse und die Quadratrechnung ist da sicherlich noch nicht Thema, zumal den Kindern auch das Gefühl für diese Zahlenmengen fehlt. Klar: Man könnte beim Rechnen helfen. Aber was ist, wenn nur Siebenjährige am Tisch sitzen? Auch dann muss das Spiel noch funktionieren.

Ethnos ist ein unterhaltsames, Rommé-ähnliches Kartenspiel. Man darf nach und nach bis zu zehn Karten auf die Hand nehmen, darf aber immer nur ein Set auslegen. Alle anderen Karten werden offen abgeworfen und können dann von den Gegnern auf die Hand genommen werden.

Die sechs unterschiedlichen Kartenfunktionen sind raffiniert gestaltet, logisch und gut verständlich. Nur eine Karte, der Riese mit seinen Bonuspunkten, sollte man in einer Anfängerpartie gegen eine der einfacheren Karten austauschen, die sich als Varianten in der Schachtel befinden. Auf dem Spielbrett wird abmarkiert, welcher Spieler bei welcher Farbe in Führung liegt. „Ab 14“ ist das garantiert nicht. mehr »

1918–2018: Les Poilus und die Grauen des Ersten Weltkriegs

1918, vor 100 Jahren, endete der Erste Weltkrieg. Das kooperative Les Poilus lässt einen die Schrecken des Stellungskrieges an der Westfront nachempfinden (eine ausführliche Besprechung habe ich für die spielbox 6/17 geschrieben). Jetzt haben die Spaghetti Western Games gemeinsam mit CMON eine deutschsprachige Neuauflage dieses genialen Titels herausgegeben, die von Asmodee vertrieben wird. Dieser Ausgabe liegt eine neu übersetzte Spielanleitung bei, und auch die Kartentexte wurden überarbeitet.

Zwar wurde bereits die Erstausgabe, die bei dem für die französische Originalausgabe zuständigen Verlag Sweet November erschienen war, mit der á-la-carte-Auszeichnung als bestes Kartenspiel 2017 und einer Empfehlung der Spiel-des-Jahres-Jury prämiert. Denn das Spiel ist tatsächlich so gut. Doch die ursprüngliche Anleitung trübte den Spielgenuss recht erheblich, denn sie sorgte für zu viel Verwirrung, war doppeldeutig, gab unverständliche Hinweise und passte nicht immer zu den Kartentexten. Das ist von der in Essen ansässigen Asmodee-Niederlassung mit der im Oktober erschienenen Neuauflage korrigiert worden. mehr »

Tischfußball oder Bonk: Sind das Gesellschaftsspiele?

„Es gibt auch quälend lange Spiele, wenn man die drei Tricks des Gegners auswendig kennt, aber selbst dann hat das Kickern oft diese leicht berauschende Wirkung.“ Das war jüngst in der Süddeutschen Zeitung zu lesen. Es ging um den Kicker in Start-up-Unternehmen. Und was hat dieses hier Thema hier in diesem Blog zu suchen, in dem es um Brettspiele, Gesellschaftsspiele oder Tischspiele geht? Gar nicht, meinen die einen, dann könnte man ja genauso gut die Fußball-Bundesliga (oder wenigstens den Amateurfußball) als eine Art Gesellschaftsspiel begreifen. Auf alle Fälle, meinen die Anderen, wieso soll man sich mit Definitionen seinen Horizont eingrenzen? Hauptsache, Kickern macht Spaß. Aber eigentlich geht es mir gar nicht um den Tischfußball. Sondern um die Spieleneuheit Bonk. Das ist nämlich so etwas Ähnliches, nur kompakter. mehr »

Duett oder Duell? Codenames vs. The Game

Wie macht man aus einem Mehrpersonenspiel ein Zweipersonenspiel? An den beiden beliebten und außergewöhnlich guten Spielen Codenames und The Game kann das jetzt studiert werden. Sie schlagen gegensätzlich Wege ein. The Game ist im Original ein kooperatives Spiel – und daraus wird eine Face to Face Auseinandersetzung. Und aus dem Codenames-Wettbewerb wird ein friedliches Duett. mehr »

Knifflige Entscheidung bei Fitzek: Sanduhr oder Handy?

Sanduhr oder Smartphone? Vor dieser Entscheidung stehen die Spielerinnen und Spieler, wenn sie Sebastian Fitzek – Safehouse spielen möchten. Ich selbst sehe das pragmatisch. Andere hingegen diskutieren diese Frage grundsätzlich, schließlich sprechen wir oft nicht mehr vom Brett- oder Gesellschaftsspiel, sondern sagen „analoges Spiel“. Also geht es darum, sich von der digitalen Welt abzugrenzen. Eine Sanduhr, dieses Jahrhunderte alte Zeitmessgerät, wäre da ein klares Statement.

Mir haben Sanduhren im Spiel eigentlich noch nie gut gefallen. Richtig funktionieren sie nur dann, wenn ein Spieler die Uhr bewacht und den Zeitablauf ansagt. Wenn aber alle gleichzeitig spielen, verpasst man fast immer das Ende, weil keiner ständig darauf achten kann.

Bei Safehouse ist das besonders fatal. Weil die Sanduhr in einer Partie, die maximal 30 Minuten dauert, nämlich bis zu 14 Mal umgedreht werden muss. Alle zwei Minuten rückt in diesem kooperativen Thriller der bedrohliche Verfolger einen Schritt weiter, und die Gefahr droht, dass er uns einholt. mehr »