88.000 Besuchende kamen zur diesjährigen UK Games Expo nach Birmingham, 16.000 mehr als im Vorjahr. Denn auch in Großbritannien werden analoge Spiele immer beliebter. Gleichzeitig profitiere die Games Expo von der Situation in den USA, vermutet Buchautor und Branchenkenner James Wallis. „Viele Leute reisen nicht mehr in die USA.“
Wer durch die Messehallen auf dem weit außerhalb der Stadt gelegenen Messegelände „NEC“ schlendert, merkt schnell, dass Großbritannien den kleineren Teil der englischsprachigen Spieleszene repräsentiert. In Birmingham sind, was originär britische Spiele angeht, vor allem Kleinstverlage vertreten. Diese seien oft als Hobbyprojekt gestartet, um ein selbst entwickeltes Spiel zu vertreiben, so Wallis. Größere Verlage oder bekannte britische Spieleautoren gebe es dagegen kaum.
Einen Grund für die besondere Situation des Brettspiels in seinem Heimatland sieht James Wallis in der Dominanz des überaus erfolgreichen Verlags Games Workshop. Dessen vor vielen Jahren getroffene Entscheidung, nur noch ein einziges Spiel – Warhammer – herauszubringen, habe „das Herz der Branche herausgerissen“.
Ein britischer Verlag mit wirklich breitem Programm vom Kinderspiel bis zum Kennerspiel ist Alley Cat Games aus Cambridge. Ihre Neuheiten – darunter Foxglove Farm des japanischen Paars Aya und Shun sowie das Zweipersonenspiel Timber Town – waren auf der UK Games Expo stets umlagert.

Französische Unternehmen belegen die größten Flächen: Hachette Boardgames mit Sorry We Are French, Studio H und Gigamic.
Mike Didymus-True, der den Informationsdienst Boardgamewire betreibt, bezeichnet Alley Cat Games als Ausnahme. „So etwas wie Pegasus Spiele in Deutschland oder Cephalofair Games in den USA gibt es bei uns nicht“, sagt er. „Wir hatten nie so etwas wie das Spiel des Jahres, das die Familien zu Weihnachten spielen“, verweist er auf den kulturellen Unterschied zwischen Deutschland und England. Zudem sei der Einfluss der USA auf die britische Branche enorm, und amerikanische Verlage stellen auch in Birmingham aus. Sie kommen aber wegen der hohen Kosten oft nicht jedes Jahr und teils nur im Rahmen eines Gemeinschaftsstandes, beobachtet Didymus-True.

Einer der vielen Asmodee-Stände: der in Frankreich entstandene Verlag ist längst global aufgestellt.
In diese Lücke stoßen die französischen Unternehmen. Eine große Fläche mit mehreren Ständen wird von Hachette Boardgames belegt. Der französische Verlag hat – anders als in Deutschland – eine Niederlassung in Großbritannien. Hier gibt es ein breites Spektrum an Neuheiten – nicht nur aus den Hachette-Studios, sondern auch von Vertriebspartnern wie Oink Games oder Edition Spielwiese. Noch größer präsentiert sich Asmodee. Dieser Verlag hat in jeder der vier Hallen bestimmt zwei große Stände mit unterschiedlichen Schwerpunkten – vom Kinder- bis zum Miniaturenspiel.

Neben den Ausstellungshallen gibt es zwei weitere Hallen im National Exhibition Centre (NEC) plus diverse Hotelsäle mit vielen offenen Spielflächen, Turnieren, einem Bring-and-Buy-Bereich und Rollenspielen.
Dass Asmodee französisch ist, will James Wallis nicht gelten lassen. Die Dominanz des global agierenden Konzerns in UK beruhe auf der Übernahme des Unternehmens Esdevium. Dieses hätte als größter britischer Spielevertrieb immer das Bild auf der UK Games Expo bestimmt, erinnert sich Walls. Ein Studio, wie es Asmodee beispielsweise in Frankreich, Deutschland und den USA betreibt, gibt es in England allerdings nicht.
Dennoch blickt Mike Didymus-True optimistisch in die Zukunft. Er beobachtet eine zunehmende Vernetzung unter den Autoren, und der Besucherrekord in Birmingham spricht für sich.

Die britische Spieleszene ist global betrachtet eher unbedeutend, aber es gibt in den Hallen viele Kleinstverlage zu entdecken.



