Cascadia und Living Forest: Sieger 2022

Preisverleihung

Die Internationalität der Autorinnen und Autoren bei der Preisverleihung des Spiels und des Kennerspiels des Jahres war beeindruckend: Aske Christiansen (Living Forest) war aus Kopenhagen angereist, Paul Dennen (Dune) aus Denver, Hal Duncan und Ruth Veevers (Cryptid) kamen aus dem englischen Norwich, Randy Flynn (Cascadia) stammt aus Seattle, Kei Kajino (Scout) aus Tokio und Aurélien Picolet (Top Ten) aus Nantes. Die Annahme, dass deutschsprachige Spieleautorinnen und -autoren nun auf Dauer in den Hintergrund getreten seien, ist trotzdem falsch. Denn im nächsten Jahr kann es schon wieder anders sein. Zumal in den Vorjahren, als die Preisverleihung in der Nhow Berlin Music Hall pandemiebedingt nur in verkleinerten Rahmen stattfand, mit MicroMacro, Pictures, Paleo und Die Crew vier Spiele deutscher Autoren gewannen.

Die Preisverleihung in der Nhow Berlin Music Hall ist eröffnet.

Die Preisverleihung in der Nhow Berlin Music Hall ist eröffnet.

Das Tuch fällt: Cascadia ist das Spiel des Jahres

Das Tuch fällt: Cascadia ist das Spiel des Jahres.

Riesenfreude bei Molly Johnson (Flatout), Randy Flynn und Nicolas Bongui (Alderac).

Riesenfreude bei Molly Johnson (Flatout), Randy Flynn und Nicolas Bongui (Alderac).

Strahlender Kennerspiel-Sieger: Aske Christiansen.

Strahlender Kennerspiel-Sieger: Aske Christiansen.

Zuerst fiel das Tuch beim Kennerspiel des Jahres und Living-Forest-Autor Aske Christiansen kam gemeinsam mit dem Team des französischen Verlags Ludonaute und den Vertretern von Pegasus Spiele, die für die deutsche Ausgabe zuständig sind, auf die Bühne. Seine Freude konnte Christiansen kaum in Worte fassen, so überwältig war er. Er verbinde mit den „brennenden Bäumen“ in Living Forest eine Botschaft, hatte Christiansen zuvor gesagt, als er mir seinem nominierten Spiel das erste Mal auf der Bühne stand. Die ökologischen Fragen seien ihm sehr wichtig, wies der Spieleautor auf die Klimakrise hin. „Wenn niemand Verantwortung übernimmt, kann es für alle sehr schwierig werden“, beschrieb Christiansen einen wichtigen Mechanismus seines Spiels.

Randy Flynn stand mit einer dem schottischen Kilt nachempfundene Bekleidung auf der Bühne, wie sie gelegentlich auch von den Menschen getragen wird, die in der nordamerikanischen Cascadia-Region leben. Flynn liebt diese Landschaft, was ein entscheidender Grund dafür gewesen sei, in die dort gelegene Großstadt Seattle umzuziehen, erzählte er. Von Seattle aus ist es nicht weit in das bergige Wandergebiet, das Flynn für sein Spiel inspiriert hat. Es gibt in Cascadia, das grenzüberschreitend auf dem Staatsgebiet der USA und Kanadas liegt, eine Unabhängigkeitsbewegung, die sich als antifaschistisch versteht und sich gegen Rassismus engagiert. Randy Flynn kann sich mit diesem Engagement gut identifizieren. Er feierte gemeinsam mit dem Team von Flatout Games, mit dem er gemeinsam das Spiel entwickelt hat, der für den internationalen Vertrieb zuständigen Alderac Entertainment Group und dem deutschen Lizenznehmer Kosmos seinen Sieg. Flynns Cascadia ist der 44. Spiel-des-Jahres-Preisträger.

Fotos: Noah Berndorf / Thomas Ecke / Spiel des Jahres e.V. | CC BY-SA 4.0

25 Jahre · Bohnanza

Bohnanza ist das beste Kartenspiel aller Zeiten. Das erklärt den desolaten Zustand meiner Schachtel. Mit diesem Exemplar wurden endlos oft alle Gemeinheiten des Bohnenhandels durchexerziert.

Trotzdem bleiben zwei Dinge rätselhaft:
• Warum ist da der rote Pöppel mit dem Hinweis auf die Auswahlliste Spiel des Jahres 1997 drauf? Hatte ich erst nach der Jury-Entscheidung gemerkt, dass Bohnanza ein Spiel ist, dass man haben muss? Nein! Meine Korrespondenz mit den Verlagen habe ich sorgfältig abgeheftet, und siehe da: Ich hatte ein Rezensionsexemplar bereits im Februar 1997 angefragt und postwendend von Amigo bekommen – also deutlich vor der Jury-Empfehlung. Scheinbar ist das überbeanspruchte Originalexemplar von mir recht bald aussortiert worden.
• Warum ist Bohnanza nur in die Auswahlliste aufgenommen worden? Welche spielerischen Gründe haben gegen dieses geniale Kartenspiel gesprochen? Keine Ahnung – ich wüsste jedenfalls kein überzeugendes Argument. Stattdessen wurde damals das Brettspiel Mississippi Queen als Spiel des Jahres ausgezeichnet, weil es offensichtlich die Mehrheit der Jurymitglieder hinter sich versammeln konnte. mehr »

Schachtelaufschriften, Franchisethemen, Packungsgrößen

„Uns ist Transparenz sehr wichtig“, habe ich über den Spiel des Jahres e.V. gesagt. Auf dem YouTube-Kanal Hunter & Friends habe ich berichtet, dass es in den juryinternen Diskussionen nicht um die Sinnhaftigkeit von Schachtelaufschriften, Franchisethemen und Packungsgrößen geht. Sondern die Jurymitglieder sprächen lieber über das, was mit den Menschen passiert, wenn sie die Schachteln öffnen, den Inhalt auf den Tisch legen und das Spiel gemeinsam erleben.

Die besten Spiele 2022: ein weltumspannendes Ereignis

Die JuryDie herausragenden Spiele in diesem Jahr bieten eine ungeheure Vielfalt. Vom zweieinhalb Minuten dauernden Hektikspiel Magic Rabbit bis zum stundenlangen Tierparkerlebnis Arche Nova findet sich für jede Gelegenheit und jeden Geschmack ein spannendes Spiel. mehr »

Ich bin kein Spieletester!

Mikroskop

Die Berufe der Eltern sind ein beliebtes Gesprächsthema im Kindergarten. „Mein Vater ist Ganzmacher“, sagt das eine Kind. „Mein Vater ist Feuerwehrmann“, entgegnet das andere. Mein Sohn – es ist schon viele Jahre her – reagierte mit gewissem Stolz: „Mein Vater ist Spieletester.“
spielboxOb diese Aussagen wirklich korrekt waren, darf wohl mit Fug und Recht bezweifelt werden, insbesondere beim Feuerwehrmann. Hauptsache war für die Kinder eh etwas anderes: Papas Beruf musste sich gut anhören. Und selbst das mit dem „Spieletester“ war nicht ganz richtig, mit Brettspielen bin ich nur nebenberuflich befasst. Und genau genommen bin ich sowieso kein Spieletester – aber diesem Missverständnis unterliegen auch viele Erwachsene. Fakt ist: Ich bin Spielekritiker. Ist das überhaupt ein Unterschied? Ja, ein großer! mehr »

Internationale Verhandlungen, viel Natur und 56 bpm

Brettspielpodcast Episode 18

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Dungeons, Dice, Danger · Jekyll vs. Hyde · Fabula Rasa · Scout

Das spielerische QuartettZum Spiel-des-Jahres-Podcast „Das spielerische Quartett“ habe ich Scout von Kei Kajino (soeben bei Oink Games erschienen) mitgebracht, rezensiert und mich darüber mit Nico Wagner, Christoph Schlewinski und Diana Doert ausgetauscht. Außerdem haben wir über Dungeons, Dice & Danger, Jekyll vs. Hyde und Fabula Rasa – Seemannsgarn diskutiert.

Nach jahrelangem Anstieg: Umsatz mit Brettspielen stagniert

Anstieg 17-21

Der Umsatz mit Spielen stagniert im Jahr 2021 auf hohem Niveau. Der knappe Rohstoff Papier und fehlende Frachtkapazitäten auf dem Seeweg hätten die schon seit Jahren anhaltende Aufwärtsentwicklung gebremst, teilt Hermann Hutter, Vorsitzender des Branchenverbands Spieleverlage e.V. mit.

Im Segment der Erwachsenen- und Familienbrettspiele – ohne Karten- und Mitbringspiele – ist der Umsatz um zwei Prozent zurückgegangen. Wenn man die beiden Pandemiejahre 2020 und 2021 zusammenfasst, ergibt dies jedoch immer noch einen Gesamtanstieg um sagenhafte 34 Prozent. Bei Kinderspielen gibt es ein kumuliertes Plus von 13 Prozent. mehr »

Weltleitmesse der Spielwaren und die Spiele-Welthauptstadt

Brettspielpodcast Episode 17

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2021: Umsatzrekorde bei den Gesellschaftsspielen

Die ZeitDie boomende Entwicklung des analogen Spiels ist der Wochenzeitung Die Zeit eine ganzseitige Infografik wert. Auf den Plätzen 10, 9 und 8 der Top Ten der meistverkauften Brettspiele im Jahr 2021 befinden sich drei Exit-Titel: Der verwunschene Wald, Der versunkene Schatz und Das Haus der Rätsel, die sich alle auf dem „Einsteiger-Level“ der erfolgreichen Escape-Room-Reihe bewegen. Auf Platz 7 liegt Scrabble. Es folgen vier als Spiel des Jahres ausgezeichnete Titel – Platz 6 Catan (1995), 5 Rummikub (1980), 4 Pictures (2020), 3 MicroMacro (2021). Auf Platz 2 findet sich überraschend das Geschicklichkeitsspiel Jenga. Über der Nummer 1 bei den Brettspielen (Kartenspiele bleiben unberücksichtigt) breiten wir den Mantel des Schweigens aus. mehr »