Demokratie und Brettspielregeln: gegen schlechte Gewinner

Die Verfassung einer liberalen Demokratie könne man sich wie die Regeln eines Brettspiels vorstellen, meint der Rechtspopulismus-Forscher Marcel Lewandowsky. „Weil die Regeln für alle Mitspieler dieselben sind“, sagt er im Interview mit dem Spiegel. „Jeder kann gewinnen, aber selbst der Gewinner kann die Regeln nicht einfach ändern.“

Was Populisten wollenAls Vergleich nimmt Lewandowsky das allbekannte Monopoly: „Wenn Sie nach einem langen Spieleabend siegreich aus einer Partie hervorgehen, können Sie nicht bestimmen, dass beim nächsten Mal nur noch Sie selbst 4000 Euro einziehen, wenn Sie über Los laufen, und alle anderen leer ausgehen.“ Weiter schreibt er in „Was Populisten wollen“: „Die Demokratie wehrt sich gegen schlechte Verlierer, also extremistische Gruppen, die das System mit Gewalt zu stürzen versuchen. Aber sie schützt sich auch vor schlechten Gewinnern, die ihr erworbenes Mandat nutzen wollen, um die Grundregeln zu ihren eigenen Gunsten zu ändern.“

Das Design vieler Demokratien sei darauf ausgelegt, dass ihre Gegner das System auch dann nicht stürzen können, wenn sie an der Macht sind, so Marcel Lewandowsky. „Jede Demokratie oszilliert zwischen dem Versprechen der Selbstbestimmung des Volkes und den möglichen negativen Konsequenzen, die sich daraus ergeben.“

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