Autor: Harald Schrapers

Spiel des Jahres: Kein Spektakel, dafür Substanz

Schrapers

Dass es vereinzelte Stimmen in den sozialen Medien gibt, die mit den ausgezeichneten Spielen und/oder der Form der Verleihung nicht einverstanden sind, habe ich in einem ausführlichen Interview mit Spielpunkt.net durchaus eingeräumt. Einige der dort vorgebrachten Argumente sind bedenkenswert – viele verkennen aber den Auftrag, den der Verein Spiel des Jahres hat: das Brettspiel in der Breite der Gesellschaft zu fördern. Die Vermutung, es bräuchte Veränderungen in der Branche, um die Preisverleihung als „echtes Event“ zu etablieren, habe ich zurückgewiesen. Denn der Spiel des Jahres e.V. verleiht seine Auszeichnungen unabhängig von den Verlagen. Deswegen wird die Preisverleihung niemals ein Branchenevent sein, sondern die Spiele und die Autorinnen und Autoren werden weiterhin im Mittelpunkt stehen.

Die Entwicklung des Spiels des Jahres ist eine Erfolgsgeschichte, weil die Jury seit mehr als 40 Jahren unbeirrt an ihrer Unabhängigkeit festhält und sich gleichzeitig offen für Veränderungen zeigt. Denn Vereinsstrukturen sind niemals in Stein gemeißelt, Neuerungen wir die Schaffung des Kennerspiels des Jahres haben sich schnell etabliert, und die Zusammensetzung der Jury ist vielfältiger geworden. Alle Jurymitglieder engagieren sich mit viel Energie für den Verein – das Spielen der sehr vielen Neuerscheinungen nimmt mit Abstand den größten Teil der Arbeit ein. Und wenn es weniger mittelmäßige Spiele gäbe, könnten wir uns mit noch mehr Spaß auf die wirklich Guten konzentrieren – so lautete meine Antwort auf die Frage, was sich ändern müsste, um die Juryarbeit noch etwas besser zu machen. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau. » Spielpunkt.net

Krieg in der Ukraine: Brettspiele im Bunker

Bunker

„Das Ausmaß der Zerstörung ist schrecklich“, berichtet Mikhail Malyutenko, der aus Saltiwka, einem Stadtviertel der ostukrainischen Großstadt Charkiw, stammt. „Die Russen zerstören absichtlich die Wohngebäude und töten Zivilisten, einfach weil sie es können.“ Am 1. Mai wurde auch das Haus, in dem Malyutenko wohnte, von mehreren russischen Raketen getroffen. mehr »

Cascadia und Living Forest: Sieger 2022

Preisverleihung

Die Internationalität der Autorinnen und Autoren bei der Preisverleihung des Spiels und des Kennerspiels des Jahres war beeindruckend: Aske Christiansen (Living Forest) war aus Kopenhagen angereist, Paul Dennen (Dune) aus Denver, Hal Duncan und Ruth Veevers (Cryptid) kamen aus dem englischen Norwich, Randy Flynn (Cascadia) stammt aus Seattle, Kei Kajino (Scout) aus Tokio und Aurélien Picolet (Top Ten) aus Nantes. Die Annahme, dass deutschsprachige Spieleautorinnen und -autoren nun auf Dauer in den Hintergrund getreten seien, ist trotzdem falsch. Denn im nächsten Jahr kann es schon wieder anders sein. Zumal in den Vorjahren, als die Preisverleihung in der Nhow Berlin Music Hall pandemiebedingt nur in verkleinerten Rahmen stattfand, mit MicroMacro, Pictures, Paleo und Die Crew vier Spiele deutscher Autoren gewannen. mehr »

25 Jahre · Bohnanza

Bohnanza ist das beste Kartenspiel aller Zeiten. Das erklärt den desolaten Zustand meiner Schachtel. Mit diesem Exemplar wurden endlos oft alle Gemeinheiten des Bohnenhandels durchexerziert.

Trotzdem bleiben zwei Dinge rätselhaft:
• Warum ist da der rote Pöppel mit dem Hinweis auf die Auswahlliste Spiel des Jahres 1997 drauf? Hatte ich erst nach der Jury-Entscheidung gemerkt, dass Bohnanza ein Spiel ist, dass man haben muss? Nein! Meine Korrespondenz mit den Verlagen habe ich sorgfältig abgeheftet, und siehe da: Ich hatte ein Rezensionsexemplar bereits im Februar 1997 angefragt und postwendend von Amigo bekommen – also deutlich vor der Jury-Empfehlung. Scheinbar ist das überbeanspruchte Originalexemplar von mir recht bald aussortiert worden.
• Warum ist Bohnanza nur in die Auswahlliste aufgenommen worden? Welche spielerischen Gründe haben gegen dieses geniale Kartenspiel gesprochen? Keine Ahnung – ich wüsste jedenfalls kein überzeugendes Argument. Stattdessen wurde damals das Brettspiel Mississippi Queen als Spiel des Jahres ausgezeichnet, weil es offensichtlich die Mehrheit der Jurymitglieder hinter sich versammeln konnte. mehr »

Schachtelaufschriften, Franchisethemen, Packungsgrößen

„Uns ist Transparenz sehr wichtig“, habe ich über den Spiel des Jahres e.V. gesagt. Auf dem YouTube-Kanal Hunter & Friends habe ich berichtet, dass es in den juryinternen Diskussionen nicht um die Sinnhaftigkeit von Schachtelaufschriften, Franchisethemen und Packungsgrößen geht. Sondern die Jurymitglieder sprächen lieber über das, was mit den Menschen passiert, wenn sie die Schachteln öffnen, den Inhalt auf den Tisch legen und das Spiel gemeinsam erleben.

Die besten Spiele 2022: ein weltumspannendes Ereignis

Die JuryDie herausragenden Spiele in diesem Jahr bieten eine ungeheure Vielfalt. Vom zweieinhalb Minuten dauernden Hektikspiel Magic Rabbit bis zum stundenlangen Tierparkerlebnis Arche Nova findet sich für jede Gelegenheit und jeden Geschmack ein spannendes Spiel. mehr »

Ich bin kein Spieletester!

Mikroskop

Die Berufe der Eltern sind ein beliebtes Gesprächsthema im Kindergarten. „Mein Vater ist Ganzmacher“, sagt das eine Kind. „Mein Vater ist Feuerwehrmann“, entgegnet das andere. Mein Sohn – es ist schon viele Jahre her – reagierte mit gewissem Stolz: „Mein Vater ist Spieletester.“
spielboxOb diese Aussagen wirklich korrekt waren, darf wohl mit Fug und Recht bezweifelt werden, insbesondere beim Feuerwehrmann. Hauptsache war für die Kinder eh etwas anderes: Papas Beruf musste sich gut anhören. Und selbst das mit dem „Spieletester“ war nicht ganz richtig, mit Brettspielen bin ich nur nebenberuflich befasst. Und genau genommen bin ich sowieso kein Spieletester – aber diesem Missverständnis unterliegen auch viele Erwachsene. Fakt ist: Ich bin Spielekritiker. Ist das überhaupt ein Unterschied? Ja, ein großer! mehr »

Dungeons, Dice, Danger · Jekyll vs. Hyde · Fabula Rasa · Scout

Das spielerische QuartettZum Spiel-des-Jahres-Podcast „Das spielerische Quartett“ habe ich Scout von Kei Kajino (soeben bei Oink Games erschienen) mitgebracht, rezensiert und mich darüber mit Nico Wagner, Christoph Schlewinski und Diana Doert ausgetauscht. Außerdem haben wir über Dungeons, Dice & Danger, Jekyll vs. Hyde und Fabula Rasa – Seemannsgarn diskutiert.

Nach jahrelangem Anstieg: Umsatz mit Brettspielen stagniert

Anstieg 17-21

Der Umsatz mit Spielen stagniert im Jahr 2021 auf hohem Niveau. Der knappe Rohstoff Papier und fehlende Frachtkapazitäten auf dem Seeweg hätten die schon seit Jahren anhaltende Aufwärtsentwicklung gebremst, teilt Hermann Hutter, Vorsitzender des Branchenverbands Spieleverlage e.V. mit.

Im Segment der Erwachsenen- und Familienbrettspiele – ohne Karten- und Mitbringspiele – ist der Umsatz um zwei Prozent zurückgegangen. Wenn man die beiden Pandemiejahre 2020 und 2021 zusammenfasst, ergibt dies jedoch immer noch einen Gesamtanstieg um sagenhafte 34 Prozent. Bei Kinderspielen gibt es ein kumuliertes Plus von 13 Prozent. mehr »

2021: Umsatzrekorde bei den Gesellschaftsspielen

Die ZeitDie boomende Entwicklung des analogen Spiels ist der Wochenzeitung Die Zeit eine ganzseitige Infografik wert. Auf den Plätzen 10, 9 und 8 der Top Ten der meistverkauften Brettspiele im Jahr 2021 befinden sich drei Exit-Titel: Der verwunschene Wald, Der versunkene Schatz und Das Haus der Rätsel, die sich alle auf dem „Einsteiger-Level“ der erfolgreichen Escape-Room-Reihe bewegen. Auf Platz 7 liegt Scrabble. Es folgen vier als Spiel des Jahres ausgezeichnete Titel – Platz 6 Catan (1995), 5 Rummikub (1980), 4 Pictures (2020), 3 MicroMacro (2021). Auf Platz 2 findet sich überraschend das Geschicklichkeitsspiel Jenga. Über der Nummer 1 bei den Brettspielen (Kartenspiele bleiben unberücksichtigt) breiten wir den Mantel des Schweigens aus. mehr »