Autor: Harald Schrapers

Wir können die Welt retten, oder wir entfliehen ihr

DorfromantikWelche Brettspiele können in Krisenzeiten helfen?, hat mich SWR Kultur gefragt. Meine Top 5:
1. Dorfromantik (Pegasus Spiele). Das ist ein Wohlfühlspiel, mit dem man der Realität entflieht und in eine Dorflandschaft eintaucht, wie sich Stadtmenschen diese vorstellen. Wir lernen dabei, die Herausforderungen kooperativ zu meistern, und stellen fest, dass auch hier nicht jede Eisenbahnverbindung funktioniert.
2. Pandemic (Z-Man Games). Ein schon 2009 erschienenes kooperatives Brettspiel, das inzwischen ein moderner Klassiker ist und die wirkliche Pandemie vorwegnahm. Gruselig. Aber vielleicht ist das auch eine Form der Krisenbewältigung, wenn wir sie im Krisenzentrum persönlich erleben, unsere Einsatzkräfte global steuern und nach einem Impfstoff suchen.
3. QE (Strohmann Games). Die Krise hat die Finanzmärkte erfasst und wir müssen die systemrelevanten Unternehmen retten. Dazu können wir beliebig viel Geld drucken – tausend, Millionen, Milliarden, alles egal – und überbieten uns in einem irrwitzigen Wettstreit gegenseitig. Vorsicht: Der Mitspieler, der am meisten Geld ausgibt, hat den Bogen überspannt und verliert das Spiel.
4. Living Forest (Pegasus Spiele). Die Welt wird immer heißer, die Bäume beginnen zu brennen, und wenn niemand Verantwortung übernimmt, rutschen wir in die Katastrophe. Dieses Spiel verpackt die anstrengende Realität in eine schöne Fantasy-Geschichte mit Waldgeistern, vielen Tieren und noch weitgehend intakter Natur.
5. Hitster (Jumbo). Einfach lauthals mitsingen! Das Handy an die Bluetoothbox anschließen, die Spielkarte einscannen und mitraten. Wann ist der Song erschienen? Genaues Wissen ist nicht meist nicht nötig, ungefähr reicht aus. Vor oder nach meinem Abitur? Wir schwelgen in Erinnerungen an vermeintlich bessere Zeiten.
» SWR 2: Diese fünf Brettspiele können in Krisenzeiten helfen

Sides · Mycelia · Gilde der fahrenden Händler · Ghost Writer

PodcastZum Spiel-des-Jahres-Podcast „Das spielerische Quartett“ habe ich Sides von Cédrick Caumont und François Romain, erschienen bei Captain Games, mitgebracht und darüber geredet. Außerdem ging es in der Diskussion mit Tobias Franke, Udo Bartsch und Nicola Balkenhol um die Titel Mycelia, Die Gilde der fahrenden Händler und Ghost Writer.

Paradice Board Game Bar in Wien

Verglichen mit den Nachbarländern gibt es im deutschsprachigen Bereich immer noch sehr wenige Brettspielcafés. Deshalb ist die im 16. Wiener Gemeindebezirk gelegene Paradice Board Game Bar eine Besonderheit, zumal die Gastronomie es wegen der Inflation und dem Arbeitskräftemangel auch in Österreich grundsätzlich nicht leicht hat. mehr »

Die Spiel Essen 2023 war „magisch“

Halle 6

Die diesjährige Spiel Essen war ein Riesenerfolg. „Die positive Stimmung ist magisch“, zog die neue Chefin der Spiel, Carol Rapp, in einem Interview mit dem YouTube-Kanal Spiel doch mal ein Fazit. Sie habe ein großes Erbe übernommen und mit ihrem Team der Spiel einen eigenen Stempel aufgedrückt. „Ich bin happy, dass das so funktioniert hat“, ist Rapp überglücklich. mehr »

Deutscher Spiele Preis 2023: Planet Unknown

Siegertrophäe

Sieger beim Deutschen Spiele Preis 2023 sind die US-amerikanischen Autoren Ryan Lambert und Adam Rehberg mit Planet Unknown, erschienen bei Strohmann Games. Dies wurde am Vortag der Spiel in der Messe Essen bekanntgegeben. Lambert und Rehberg konnten sich gegen Lukas Zach und Michael Palm durchsetzen. Ihr Spiel des Jahres 2023, das bei Pegasus erschienene Dorfromantik, landete auf Platz 2. „Bronze“ haben Asger Harding Granerud und Daniel Skjold Pedersen mit Heat, herausgekommen bei Days of Wonder (exklusiv bei Thalia erhältlich), gewonnen. mehr »

Dorfromantik und Brettspieltrends

Um die Spiel Essen und Brettspieltische, so wie sie die Duisburger Tischlerei Collin fertigt, geht es im WDR Fernsehen. Ich habe dazu Dorfromantik mit ins Duisburger Studio gebracht und mich mit Moderator Marc Schulte über den vom Spiel des Jahres e.V. ausgezeichneten Titel, aktuelle Brettspieltrends und das Verhältnis von analogen und digitalen Spielen unterhalten.

Das Brettspiel: Coronaprofiteur oder vergessenes Kulturgut?

spielboxDer KulturPass ist eine gute Idee: Er schenkt allen 18-Jährigen ein 200-Euro-Budget, das in stationären Läden oder für Veranstaltungen ausgegeben werden darf. Auch für Gesellschaftsspiele oder Brettspielevents? Da wird es kompliziert.

Beim KulturPass geht es um eine Post-Corona-Initiative: Jugendliche sollen eine Art Ausgleich für Verpasstes erhalten und gleichzeitig werden Kulturanbieter besonders gefördert, die unter der Pandemie und deren Folgen gelitten haben. Deswegen gibt es eine Liste von Kulturgütern, für die man die 200 Euro ausgeben darf – etwa Konzerttickets oder Bücher – und eine Negativliste, auf der insbesondere Computerspiele stehen. Und das Brettspiel? Das steht weder auf der einen noch auf der anderen Liste, worüber ich in der aktuellen spielbox geschrieben habe. mehr »

Mit dem KulturPass konnte man Tageskarten für die Berlin Brettspiel Con kaufen – ein attraktives Angebot, auch wenn es kaum genutzt wurde, weil die Möglichkeiten des KulturPasses noch viel zu unbekannt sind.

Rucksackgerecht geschrumpft: Dorfromantik im Beutel

Harald Schrapers

Welches Spiel nimmt man mit, wenn man eine Urlaubswoche in der Eifel plant und dort vier Etappen auf dem Eifelsteig zurücklegen möchte? Das nagelneue Spiel des Jahres – Dorfromantik – vielleicht?

Material im Beutel

Zwei Stoffbeutel, Ziptüten, Zettel und ein Stift.

Der Wanderweg führt entlang von Dörfern wie Mützenich, Einruhr, das ehemalige Wollseifen, Morsbach und Olef über etliche Höhenmeter. Da heißt es, den Rucksack platz- und insbesondere gewichtssparend zu packen. Eine große Spieleschachtel verbietet sich. Doch glücklicherweise befindet sich gar nicht so viel Material in Dorfromantik, wie es scheint. Die Landschafts- und Aufgabenplättchen passen in zwei recht kleine Stoffbeutel, und darin ist für die Chips und das freizuspielende Zusatzmaterial, von mir in mehreren Druckverschlussbeuteln verstaut, auch noch Platz. Hinzu kommen ein paar Zettel und ein Stift. mehr »

Radioshow: Was ein gutes Gesellschaftsspiel ausmacht

Etwa 330 Titel hatte die Jury für das Spiel und das Kennerspiel des Jahres vorliegen, habe ich in „Koschwitz zum Wochenende“ gesagt. Bei der Bewertung der Spiele gibt es keinen Kriterienkatalog, auch weil sehr unterschiedliche Spiele ausgezeichnet werden.

Dorfromantik: digital 115.000 Euro, analog ein Holzpöppel

Jubelnde Sieger

Erst gewinnt das digitale Dorfromantik beim Deutschen Computerspielpreis (DCP), anschließend wird es als analoge Umsetzung Spiel des Jahres: Da sei etwas ganz Besonderes geschehen. Diesen Eindruck könnte man gewinnen, wenn man die diesjährige Preisverleihung zum Spiel des Jahres und insbesondere die anschließende Berichterstattung verfolgt hat. Aber der Eindruck kann trügen. Für die Bewertung der spielerischen Qualität des Dorfromantik-Brettspiels ist dessen digitale Herkunft komplett irrelevant. Und sogar irreführend, wenn man nicht weiß, dass die digitale Dorfromantik-Idee mit seinen Carcassonne-Anleihen aus der analogen Brettspielwelt stammt.

Außerdem gibt es zwischen dem DCP und dem Spiel des Jahres noch ganz andere Unterschiede. Während das analoge Spiel auf der Preisverleihungs-Bühne mit einem eher schlichten Pöppel aus Buche bedacht wurde, gewann dessen digitaler Verwandter beim DCP 2021 ein vom Steuerzahler und der Computerspielindustrie finanziertes Preisgeld in Höhe von 115.000 Euro. Obwohl Dorfromantik damals gar nicht den Hauptpreis bekam, sondern in zwei der 14 weiteren Kategorien gewann, summierte es sich: 60.000 Euro gab es für den Sieg in der Kategorie „Bestes Debüt“, 35.000 Euro für den Sieg bei „Bestes Gamedesign“, plus 20.000 Euro für die Nominierung in der Kategorie „Bestes Familienspiel“. mehr »