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„Digital-Detox“ mit Brettspielen? Grandiose Überforderung

Der Druide braut einen Heiltrank. Spielszene aus Asterix & Obelix – Mission Zaubertrank (Pegasus).

Brettspiele als „digitale Entgiftung“. Das titelte tageschau.de anlässlich der jüngst stattgefundenen Internationalen Spieltage in Essen. Welch eine Überschrift! Zwar lenkt sie die Aufmerksamkeit aufs analoge Spiel. Doch leider ist der damit beschworene „Digital-Detox“ eine grandiose Überforderung, der das Brettspiel niemals gerecht werden wird. Die Überschrift ist ein vergiftetes Lob.

» tagesschau.de: Brettspiele als digitale Entgiftung

Selbstverständlich ist es erstrebenswert, wenn Menschen nicht ständig vorm Bildschirm sitzen, sondern sich mit anderen treffen: auf dem Bolzplatz oder beim Beachvolleyball, beim Billard oder am Kicker. Gerne bei jeder Tätigkeit die in der deutschen Sprache mit dem Begriff „spielen“ belegt ist. Aber dass dem Brettspiel im Kampf gegen das Computerspiel eine besondere Rolle zukäme, ist überhaupt nicht nachvollziehbar. Es ist eine Frontstellung, wo der Sieger von vornherein feststeht. Daddeln in fantastischen Welten kann man immer und überall, hingegen lassen sich Brett- oder Kartenspiel nur in bestimmten Situation auf den Tisch bringen: Ich brauche nämlich echte Mitspielerinnen und -spieler. mehr »

Knifflige Entscheidung bei Fitzek: Sanduhr oder Handy?

Sanduhr oder Smartphone? Vor dieser Entscheidung stehen die Spielerinnen und Spieler, wenn sie Sebastian Fitzek – Safehouse spielen möchten. Ich selbst sehe das pragmatisch. Andere hingegen diskutieren diese Frage grundsätzlich, schließlich sprechen wir oft nicht mehr vom Brett- oder Gesellschaftsspiel, sondern sagen „analoges Spiel“. Also geht es darum, sich von der digitalen Welt abzugrenzen. Eine Sanduhr, dieses Jahrhunderte alte Zeitmessgerät, wäre da ein klares Statement.

Mir haben Sanduhren im Spiel eigentlich noch nie gut gefallen. Richtig funktionieren sie nur dann, wenn ein Spieler die Uhr bewacht und den Zeitablauf ansagt. Wenn aber alle gleichzeitig spielen, verpasst man fast immer das Ende, weil keiner ständig darauf achten kann.

Bei Safehouse ist das besonders fatal. Weil die Sanduhr in einer Partie, die maximal 30 Minuten dauert, nämlich bis zu 14 Mal umgedreht werden muss. Alle zwei Minuten rückt in diesem kooperativen Thriller der bedrohliche Verfolger einen Schritt weiter, und die Gefahr droht, dass er uns einholt. mehr »