Spielwarenmesse abgesagt: Corona und die Folgen

Nürnberg

Die Coronaeinschränkungen werden uns auch 2021 noch begleiten. Nun ist auch die Nürnberger Spielwarenmesse abgesagt worden, obwohl es dort ein genehmigtes Abstands- und Hygienekonzept gab. Da die International Toy Fair keine Publikumsveranstaltung ist, sondern nur Fachbesucherinnen und -besucher Zutritt haben, ist schon in normalen Jahren die Personenzahl pro Quadratmeter sehr gering, so dass Distanzhalten im Messebetrieb durchaus möglich ist. Selbst bei den Brettspielen gelingt das, denn eng am Tisch sitzende Leute, die wirklich spielen, sieht man dort sehr selten.

Doch als internationale Leitmesse ist Nürnberg darauf angewiesen, dass der grenzüberschreitende Geschäftsreiseverkehr wieder in Gang kommt und die Aussteller aus allen Kontinenten ihren Weg in die fränkische Metropole finden. Doch damit ist nicht zu rechnen. Die Spielwarenmesse hat die Reißleine gezogen, und die vage Ankündigung einer „Summer Edition“, für die es bislang keinen Termin gibt, macht nur wenig Hoffnung, dass sich die Messebranche schnell wird erholen können.

Für die Brettspielszene und -branche, die nur eine der zwölf Toy-Fair-Hallen belegt, sind die Auswirkungen der Absage nicht so groß. Denn die Bedeutung von Nürnberg hat sich in den letzten Jahren stetig reduziert, viel wichtiger sind die Internationalen Spieltage in Essen. Da laufen die Vorbereitungen für eine digitale Ausgabe, die vom 22. bis zum 25. Oktober 2020 stattfindet, auf Hochtouren. Für Prognosen, ob man sich im Oktober 2021 wieder im Ruhrgebiet wird treffen können, ist es noch zu früh. Und ob dann wieder alles so sein wird wie früher? Arno Miller ist skeptisch: „Man wird sich einerseits (endlich) wieder auf einer Messe persönlich treffen wollen, Schachteln umdrehen und Spielfiguren in die Hand nehmen wollen – andererseits auch bestimmte Vorzüge der digitalen Aufbereitung neuer Spielewelten als selbstverständlich erwarten“, schreibt er im soeben erschienene spielwiese.at-Jahrbuch.

Der österreichische Spielejournalist Miller hat für sein Jahrbuch um mehrere Stellungnahmen aus der Spielebranche und -szene gebeten. „Nicht ohne Grund belegt man Brettspiel mit dem Schlagwort ‚analog‘“, gebe ich in meinem Beitrag zu bedenken. „Und genau deshalb lassen sich Gesellschaftsspiele, und alles was damit zusammenhängt, niemals vollständig ins Internet verlagern. Es bleibt ein Surrogat.“ » spielwiese.at

Spiel-des-Jahres-Podcast: Hinter den Kulissen

Der Spiel-des-Jahres-Podcast geht der Frage nach, was hinter den Kulissen einer Preisverleihung passiert. Jan Fischer führt durch die Folge, in der nicht nur Preisverleihungsmoderator Manuel Fritsch und ich zu Worte kommen, sondern auch die Menschen, die hinter den Siegerspielen Pictures und Die Crew stehen.

Zeitloses Catan – mein Lieblingsspiel

Teuber

Catan-Autor Klaus Teuber auf der Spiel-des-Jahres-Preisverleihung 2020 in Berlin.

Vor 25 Jahren wurden die Siedler von Catan als Spiel des Jahres ausgezeichnet, und deshalb wurde auf diesen „ersten Klassiker des modernen Brettspiels“ im Rahmen der diesjährigen Preisverleihung zurückgeblickt. Er habe in Catan seine Wünsche verwirklichen können, sagte Klaus Teuber in einem Videoeinspieler. „Es ist ein friedliches Spiel, alle sind beteiligt, es ist interaktiv.“

spielboxDie Siedler von Catan haben das Bild des „German style Games“ nicht nur bei uns, sondern weltweit nachhaltig geprägt. Ich biete ein Erz oder Holz und suche ein Schaf. Oder zwei Erz, wenn du mir das Schaf partout nicht rausrücken möchtest. Diese Dialoge, diese Verhandlungen um Lehm, Erz, Holz, Wolle, Getreide sind zum Allgemeingut und zum Teil der Popkultur geworden. In einem Editorial für die neue Ausgabe der spielbox begründe ich, warum ich Catan als mein Lieblingsspiel bezeichne. » spielbox

Spiel des Jahres 2020: Preisverleihung mit Abstand

Die Bühne der diesjährigen Preisverleihung zum Spiel des Jahres war genauso groß wie im Vorjahr, der Saal auch, aber statt 220 Personen waren keine 50 Leute im Publikum. Und die meisten der ausgezeichneten Autorinnen und Autoren ließen sich per Video ins NHow Conference Center in Berlin-Friedrichshain schalten. Welches Spiel auch gewinnt: Niemand durfte sich jubelnd in die Arme fallen.

Schrapers

Die Preisverleihung ist eröffnet.

» dpa: Kreativ und einfach
» Spiegel online: Bekannter Brettspielpreis
» rbb Inforadio: Pictures ist Spiel des Jahres

Dass die Veranstaltung nicht komplett abgesagt wurde, war die richtige Entscheidung – und der Verein Spiel des Jahres bekam deshalb viel Lob. „Weil wir es dem Kulturgut Spiel schuldig sind“, habe ich in meiner Eröffnungsrede gesagt. mehr »

Verdienstkreuz am Bande: ein Orden fürs Brettspiel

Das Bundesverdienstkreuz am Bande für einen Brettspieler: Friedel Hoffmann ist für seine ehrenamtlichen Tätigkeiten, insbesondere auch für sein Engagement im Spielekreis „Hiespielchen“, von Frank-Walter Steinmeier geehrt worden. Stellvertretend für den Bundespräsidenten hat Ansgar Müller (SPD), Landrat des Kreises Wesel, an Hoffmann den Verdienstorden übergeben. mehr »

So arbeitet die Jury hinter den Kulissen

NRZ„In diesen Zeiten kommen bei vielen Familien wieder mehr Brettspiele auf den Tisch“, habe ich im Interview mit der in Essen erscheinenden Neuen Ruhr Zeitung (NRZ) gesagt. „Menschen möchten gemeinsam etwas erleben, gerade jetzt, wo wir viel zuhause sind. Und irgendwann ist Netflix auch mal leer geguckt.“ Mehr als 300 neue deutschsprachige Veröffentlichungen habe es im vergangenen Jahrgegeben. „Die Kurve geht aufwärts, der Markt boomt regelrecht, und es kommen immer mehr Spiele raus.“ mehr »

Spielejahrgang 2020: Beeindruckende Vielfalt

Spiele 2020

Die Spiel-des-Jahres-Jury hat ihre „Longlist“ und „Shortlist“ bekanntgeben, was in diesem Jahr auf besonders viel Aufmerksamkeit gestoßen ist. spiel-des-jahres.de verzeichnete doppelt so viel Zugriffe wie im letzten Jahr, was den Server prompt in die Knie zwang. Zeitgleich hat der Friedhelm Merz Verlag verkündet, dass es in diesem Jahr keine Spiel in der Essener Messe geben wird. Die Internationalen Spieltage haben eine so große Strahlkraft auf die weltweite Spieleszene, dass die Auswirkungen der Absage überhaupt nicht abzusehen sind. Die Entscheidung des Merz Verlags ist sehr betrüblich, obwohl sie nicht überraschend kam und es keine verantwortbare Alternative gibt. Gleichwohl gibt es in diesem Jahr gute Spiele, genauso wie ich prognostiziere, dass es diese auch im nächsten Jahrgang geben wird. Denn gespielt wird trotzdem. Mehr als je zuvor. mehr »