Spielen ist die intelligenteste Form des zweckfreien Tuns

F.A.S.Das Spiel des Jahres sei nicht irgendein Preis, schreibt Wirtschaftsredakteur Daniel Mohr in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS): „Der Preis stieß von Anfang an auf hohe Akzeptanz von Verlagen und Kunden. Die Spieler verlassen sich auf das Urteil der Jury. 42 Jahre nach der Gründung des Preises gibt es daher wohl keinen, der eine derart durchschlagende wirtschaftliche Wirkung hat. Erfahrungsgemäß verzehnfacht sich der Umsatz des Gewinnerspiels. Mindestens. Manche halten diese Zahl für arg tiefgegriffen“, berichtet Mohr.

» Frankfurter Allgemeine: Der Spieler
» rbb Inforadio: Gesellschaftsspiele boomen in der Pandemie

Ich habe im Gespräch mit Daniel Mohr gesagt, dass sich die Jury ihrer Verantwortung bewusst ist. Andere Branchen und auch die Spieler in anderen Ländern können sich das oft nicht vorstellen, aber wir arbeiten wirklich komplett unabhängig und sind völlig frei, welcher Verlag, welcher Autor und welches Spiel die Auszeichnung bekommt.

Etwa 300 Neuheiten hat die Jury im letzten Jahr auf den Tischen gehabt. Doch nicht alle davon habe ich selbst gespielt. Denn wenn drei oder vier der Jurymitglieder sehr entschieden sagen, das Spiel kommt für die Auszeichnung nicht in Frage, müssen die anderen es nicht auch noch spielen. Doch immerhin etwa 200 Spiele habe ich selbst ausprobiert. „Das Regal dafür hat er mittlerweile leer geräumt und die Spiele, die den Jurymitgliedern von den Verlagen zur Verfügung gestellt werden, an die Spieleausleihe der Düsseldorfer Falken weitergegeben“, ist in der FAS zu lesen. Wenn ich von einem Spiel überrascht werde, hat es bessere Chancen als eine Idee, die es schon in 75 Varianten gibt. Genauso wie Monopoly hätte auch Mensch ärgere dich nicht hätte bei mir keine Chance. Ein derart vorsätzlich auf Frust bei den Mitspielern angelegtes Spiel erfüllt meine Mindestkriterien an Freude, Spaß und konstruktives Miteinander nicht.

Gefragt nach den Wurzeln meiner Spielleidenschaft, habe ich davon erzählt, wie ich bei den niederrheinischen Jusos viel gespielt habe, „inklusive philosophischem Überbau“: Wir hingen der Idee von Paul Lafargue an, dem Schwiegersohn von Karl Marx, der angesichts der Arbeitswut seines Schwiegervaters das Recht auf Faulheit propagierte. Nicht unbedingt Nichtstun, sondern auch Ehrenamt, Familie, Hobbys. Und Spielen ist die eleganteste Form des zweckfreien Tuns. Man macht was Intelligentes, aber völlig zweckfrei.