Autor: Harald Schrapers

Reef: Klebrige Haptik und das Korallensterben

Reef-Spielsteine

Haptik war das in Zusammenhang mit Azul, dem Spiel des Jahres 2018, oft verwendete Wort. Mir ging das schnell auf die Nerven. Jeder, der mit seinem Fremdwortwissen glänzen wollte, gebrauchte den aus dem Altgriechischen entlehnten Begriff. Ja, die Azul-Steine waren schön anzufassen. Das ist aber nachrangig. Ich wollte viel lieber die Frage ergründen, worin der unbestreitbare spielerische Reiz dieses Spiels besteht.

Inzwischen bin ich aber davon überzeugt, dass Haptik doch nicht so egal ist. Das Spiel Reef, das wie Azul bei Next Move erschienen ist, hat mich bekehrt. Und zwar deshalb, weil auch hier viele Kunststoffteile in der Schachtel zu finden sind. Sie fühlen sich aber ganz anders an: nämlich beinahe klebrig. Man hat das Gefühl, dass sich die Ausdünstungen irgendeines Weichmachers sofort an den Fingern anhaften. Mit diesem Plastikkram sollen wir ein Korallenriff bauen? mehr »

Azul: Preisschwankungen wie an der Tankstelle

Bei Azul sind Preisschwankungen zu beobachten, die das Auf und Ab bei den Benzinpreisen übertreffen. Am 23. Juli, dem Tag der Verleihung des Spiels des Jahres, kostete das Michael-Kiesling-Spiel beim preisgünstigsten Versender 29,99 Euro. Das ist dem Preisbarometer von idealo.de zu entnehmen. Anschließend schnellte der Preis nach oben, stabilisierte sich Ende September bei 28,42 Euro, um anschließend wild auszuschlagen. Eine Woche vor Weihnachten nähert er sich wieder der 30-Euro-Linie. Allein bei Amazon war zu beobachten, dass der Preis innerhalb von 24 Stunden zwischen 22,38 und 33,99 Euro schwankte.

Wohlbemerkt: Es handelt sich dabei nicht um Durchschnittspreise, sondern um den jeweils niedrigsten Preis, der im Onlinehandel im Laufe eines Tages angeboten wurde. Auch im stationären Einzelhandel gibt es deutliche Preisunterschiede. Während der Drogeriemarkt Müller mit Sonderangebotspreisen und 15-Prozent-Rabattcoupons ins Geschäft lockt (hoffend, dass auch etwas anderes gekauft wird), setzt der örtliche Fachhändler auf Beratung – bei gleichzeitigem Verzicht auf das tägliche Tankstellengebaren.

Analog vs. Digital: eklatante Unterschiede

Sagenhafte 50 Millionen Euro bekommen die Computerspielentwickler aus dem Ende November beschlossenen Bundeshaushalt für das Jahr 2019. Und das ist noch nicht alles, was an öffentlichen Geldern in die digitalen Games fließt. Und wieviel erhält das Brettspiel? Keinen Cent. Der Unterschied der gesellschaftlichen und politischen Anerkennung ist eklatant. Trotzdem plädiere ich in dem Editorial, das ich für die kommende Ausgabe der spielbox geschrieben habe, für ein unverkrampftes Verhältnis zwischen dem analogen und dem digitalen Spiel. » mehr

25 Jahre · Sticheln

Spielkarten: Sticheln

Vermutlich ist es gar nicht möglich, Spielmaterial noch nüchterner zu gestalten, als dies bei Sticheln geschehen war. Gestört hat mich das nie. Hauptsache es funktioniert. Auch nach 25 Jahren ist das von Klaus Palesch erdachte und bei Amigo erschienene Sticheln immer noch ein Kartenspiel, das mit der heutigen Stichspielkonkurrenz mühelos mithalten kann. mehr »

Tag der Brettspielkritik: Journalistentreffen in Hamburg

Brettspielkritik

Im Juni 2019 findet in Hamburg auf Einladung des Spiel des Jahres e.V. der „Tag der Brettspielkritik“ statt. Es ist das erste Mal seit ewiger Zeit, dass sich Spielejournalistinnen und -journalisten sowie Bloggerinnen und Blogger, die sich einer verlags- und handelsunabhängigen Spielekritik verpflichtet fühlen, auf einer Tagung austauschen können. Das letzte Treffen dieser Art, es ist mehr als ein Vierteljahrhundert her, fand in Marburg statt, und auch damals war der Spiel des Jahres e.V. der Einlader.

Während Verlage, Redakteure und Autoren längst Foren besitzen, in denen sie sich zusammensetzen, gibt es ein solche Angebot für die Spielekritiker und -kritikerinnen nicht. Deswegen hat der Verein Spiel des Jahres bereits Anfang des Jahres begonnen, das Konzept für einen „Tag der Brettspielkritik“ zu entwickeln und Personen anzusprechen, die für Diskussionen, Arbeitsgruppen, Workshops und Inputs in Frage kommen. mehr »

Spielend für Toleranz: vor Ort im ganzen Land

Spielend für ToleranzDer Spiel des Jahres e.V. unterstützt in den nächsten Monaten dezentrale „Spielend für Toleranz“-Veranstaltungen. Der Verein hat alle Spielejournalistinnen und -journalisten sowie Bloggerinnen und Blogger angeschrieben, die sich in ihren Publikationen zu der Initiative gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit bekennen. Sie bekommen für einen Spieleevent ein Servicepaket, das neben einem Banner, mehreren Buttons, Siegpunktblöcken und Plakaten auch Spiele enthält. Von Azul, dem Spiel des Jahres, bis hin zu Brett- und Kartenspielen, die ohne große Worte auskommen und ohne tiefere Deutschkenntnisse spielbar sind, sind 15 ausgewählte Titel in dem Paket enthalten.

Das Spielepaket:
Azul (Next Move)
Deja Vu (Amigo)
Drecksau (Kosmos)
Emojito (Desyllas/Huch)
Facecards (Ravensburger)
Funkelschatz (Haba)
Geistesblitz (Zoch)
Icecool (Amigo)
Kingdomino (Pegasus)
Klask (Game Factory)
Looping Louie (Hasbro)
Memoarrr (Spielwiese/Pegasus)
The Mind (NSV)
Panic Mansion (Blue Orange)
Qwirkle (Schmidt)

» Spiel des Jahres: Spielend für Toleranz

Eine Premiere: Dialog zwischen Spiel und Politik


Auf den Internationalen Spieltagen in der Messe Essen fand erstmals ein Dialog zwischen dem Brettspiel und der Politik statt, den die Spiele-Autoren-Zunft (SAZ) jetzt in einem Video zusammengefasst hat. Eingeladen zu der von mir moderierten Debatte waren die Kulturpolitiker Bernd Petelkau (CDU-MdL), Helge Lindh (SPD-MdB) und Erhard Grundl (Grüne-MdB). Im Gespräch mit dem Kunstwissenschaftler Steffen Bogen (Autor von Camel up), Christian Höppner (Präsident des Deutschen Kulturrats), Susanne Keuchel (Akademie Remscheid für kulturelle Bildung) sowie Heiko Windfelder (Kosmos Verlag) wurde nach Möglichkeiten gesucht, das Spiel verstärkt gesellschaftlich zu verankern. mehr »